Ivan hält im Modellsatz des Goethe-Instituts einen Vortrag über Schülerinnen und Schüler, die für den Klimaschutz demonstrieren. Er spricht frei, bringt ein Beispiel aus seinem eigenen Unterricht und begründet seine Meinung. Einen Punkt der Aufgabe vergisst er. Und sein Vortrag hat keinen Schluss.
Goethe C1-Text mit dem Agenten erarbeiten
Schreib einen Text zu diesem Thema — dein Agent bewertet ihn ehrlich wie die echte Prüfung und übt mit dir, bis du bestehst.
Ivan besteht trotzdem, mit 68,5 von 100 Punkten. Die Prüfenden nennen das eine „Leistung im unteren Bereich des Niveaus C1“. Seine Partnerin Marta kommt auf 93 Punkte. Beide Leistungen stehen mit Kommentaren im Handbuch zur Prüfung. An ihnen zeige ich dir, wofür es im Modul Sprechen Punkte gibt und wo sie verloren gehen.
So läuft das Modul ab
Als Paarprüfung dauert das Modul etwa 20 Minuten, als Einzelprüfung etwa 15. Vorher hast du 20 Minuten Vorbereitung. Du wählst eines von zwei Themen und darfst Notizen machen. Andere Hilfsmittel gibt es nicht.
Am Anfang steht ein kurzes Einführungsgespräch von etwa einer Minute. Es wird nicht bewertet.
In Teil 1 hältst du einen Vortrag von etwa fünf Minuten, zum Beispiel in einem Seminar. Danach beantwortest du etwa zwei Minuten lang Fragen. Nach dem Vortrag deiner Partnerin oder deines Partners stellst du selbst eine Frage. Teil 2 ist eine Diskussion von etwa fünf Minuten für euch beide zusammen. Es geht um eine strittige Frage mit einem kurzen Text und vier Stichpunkten. In der Einzelprüfung übernimmt eine der Prüfenden die Rolle der Gesprächspartnerin.
Wie sich die 100 Punkte verteilen
Auf dem Bewertungsbogen stehen für jede Person drei Blöcke:
| Block | Kriterien | Punkte |
|---|---|---|
| Teil 1: Vortrag | Aufgabenerfüllung, roter Faden (bei Goethe: Kohärenz), Wortschatz, Strukturen je 10, dazu Fragen und Antworten 12 | 52 |
| Teil 2: Diskussion | Aufgabenerfüllung 8, Gesprächsführung (Interaktion) 4, Wortschatz 10, Strukturen 10 | 32 |
| Aussprache | einmal für beide Teile | 16 |
Bestanden ist das Modul ab 60 Punkten. Für Teil 1 oder Teil 2 allein gibt es keine eigene Grenze. Zwei Prüfende bewerten dich getrennt, das Ergebnis ist der gerundete Mittelwert.
Zwei Dinge fallen auf. Der Vortrag bringt mehr als die Hälfte der Punkte. Und die Aussprache zählt nur einmal. Ein Akzent ist also kein Grund zur Panik. Bewertet wird, ob deine Satzmelodie, deine Betonung und einzelne Laute das Verstehen stören.
Fall 1: Der vierte Punkt fehlt
Die Vortragsaufgabe hat immer vier Punkte. Im Handbuch heißen sie Sprachfunktionen. Bei Ivan sollte man ein Beispiel geben und für oder gegen das Verhalten der Schüler argumentieren. Dazu kamen Maßnahmen von Eltern und Lehrkräften und ein Vorschlag, wie die Schüler ihr Ziel anders erreichen könnten.
Die ersten drei setzt er gut um. Den Vorschlag vergisst er. Der Kommentar dazu ist kurz: „Dieser Punkt wird nicht behandelt.“ Das Ergebnis ist Stufe B in der Aufgabenerfüllung, also 7,5 statt 10 Punkte.
Das ist der billigste Punktverlust im ganzen Modul. Du verhinderst ihn mit einem Blick auf deine Notizen. Schreib dir die vier Punkte in der Vorbereitung als Nummern auf. Sprich sie im Vortrag in dieser Reihenfolge an.
Es gibt auch eine unterste Stufe, und die ist ernst. Wenn ein Vortrag das Thema verfehlt oder nicht mehr verständlich ist, bekommt die Aufgabenerfüllung die Stufe E. Dann steht die ganze Aufgabe auf null Punkten.
Fall 2: Kein Schluss
Zum roten Faden schreiben die Prüfenden über Ivan: „Einleitung und Hauptteil sind vorhanden, ein Schluss fehlt.“ Auch hier gibt es Stufe B.
Im Kommentar steht noch eine Beobachtung, die ich wichtig finde. Weil Ivan nicht selbst zum Ende kommt, bittet die Prüferin die Partnerin direkt um eine Frage. Sie nimmt ihm damit die Gesprächsführung ab. Genau das willst du vermeiden.
Ein Schluss braucht keine 30 Sekunden. Zwei Sätze reichen: deine Position, dann ein Blick nach vorn. Zum Beispiel so:
„Für mich überwiegen deshalb die Argumente für einen Kompromiss. Spannend wird sein, ob Schulen den Klimaschutz künftig selbst stärker in den Unterricht holen.“
Danach sagst du, dass du dich auf Fragen freust. So bestimmst du selbst, wann dein Vortrag zu Ende ist.
Die Prüfenden notieren bei Ivan außerdem, dass er seine Sätze nur mit einfachen Mitteln verbindet. Sie nennen Relativsätze, „dass“, „weil“, „aber“ und „wenn“. Auf C1 darfst du hier mehr zeigen, etwa „während“, „obwohl“, „dadurch“ oder „hinzu kommt, dass“.
Fall 3: Sätze, die mittendrin aufhören
Bei den Strukturen landet Ivan in Teil 1 auf Stufe C, also bei 5 von 10 Punkten. Der Grund ist nicht die Zahl seiner Fehler. Im Kommentar steht: „Die Sätze werden mehrmals nicht zu Ende geführt.“
Die Prüfenden haben zwischen B und C geschwankt. Sie haben sich für C entschieden, weil man als Zuhörer bei so vielen halben Sätzen mitarbeiten muss, um zu verstehen. Für mich ist das der wichtigste Gedanke zur Bewertung im Sprechen. Ein falscher Artikel stört kaum. Ein Satz, der in der Mitte abbricht, stört sehr.
Wenn du merkst, dass ein Satz zu lang wird, beende ihn einfach und beginne einen neuen. Ein kurzer, fertiger Satz ist mehr wert als ein langer, der ins Leere läuft. Das Handbuch sagt es auch allgemein: Bewertet wird nicht in erster Linie, was falsch ist, sondern was deine Leistung positiv auszeichnet.
Fall 4: Die Diskussion bleibt privat
Marta ist im Vortrag sehr stark: in allen Kriterien Stufe A. In der Diskussion über eine Impfpflicht für Kinder bekommt sie in der Aufgabenerfüllung nur B, also 6 von 8 Punkten. Der Kommentar sagt, ihr Inhalt bleibe auf den persönlichen Bereich bezogen und sei deshalb in der Argumentation zu wenig differenziert.
Die Diskussion fühlt sich lockerer an als der Vortrag, und man erzählt schnell von der eigenen Familie. Eine eigene Erfahrung ist ein gutes Beispiel. Danach brauchst du aber einen Schritt zurück auf die allgemeine Ebene: Was bedeutet das für Schulen, für Eltern, für die Gesellschaft?
Interessant ist Ivans Ergebnis in der Gesprächsführung. Er bekommt dort die volle Punktzahl, obwohl er kaum Redemittel zur Zustimmung benutzt. Die Prüfenden loben, dass das Gespräch natürlich und ausgewogen wirkt. Du musst also keine auswendig gelernte Liste aufsagen. Reagiere auf das, was dein Gegenüber wirklich sagt.
Noch ein Detail aus dem Handbuch: Ihr müsst euch am Ende nicht immer einigen. Je nach Aufgabe reicht es, die beiden Standpunkte zusammenzufassen.
Was du diese Woche üben kannst
Nimm ein Thema, stell einen Wecker auf 20 Minuten und bereite einen Vortrag vor. Sprich ihn dann in dein Handy. Hör dir die Aufnahme an und prüfe nur drei Dinge:
- Sind alle vier Punkte der Aufgabe da?
- Gibt es einen Schluss, den du selbst sprichst?
- Wie viele Sätze brechen in der Mitte ab?
Das sind genau die Stellen, die Ivan Punkte gekostet haben. Wortschatz und Grammatik kommen danach.
Eine Grenze sage ich dir offen: Unser Prüfungs-Agent bewertet heute geschriebene Texte, nicht deine Stimme. Die Argumente für deinen Vortrag kannst du trotzdem vorher testen. Schreib sie als kurzen Absatz auf und gib ihn dem Prüfungs-Agenten. Er fragt nach, wo deine Begründung zu dünn ist oder im Privaten stecken bleibt. Mehr zum Aufbau der Prüfung findest du auf unserer Seite zu Goethe C1.
Geschrieben von Margarita Votteler, erfahrene C1-Prüferin seit 2009. Ablauf, Punktwerte und die Leistungsbeispiele von Ivan und Marta stammen aus dem Modellsatz Goethe-Zertifikat C1 (modular), dem Handbuch „Prüfungsziele, Testbeschreibung“ (2024) und den Durchführungsbestimmungen (Stand 1. September 2025). Stand: Oktober 2026.
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