Im Modul Schreiben kannst du 100 Punkte holen. Bestanden hast du ab 60. Das klingt erst einmal machbar. Aber es gibt eine Regel, die viele erst nach der Prüfung erfahren: Ein einziges Kriterium kann deine ganze Aufgabe auf null Punkte setzen. Dein Deutsch spielt dann keine Rolle mehr.
Goethe C1-Text mit dem Agenten erarbeiten
Schreib einen Text zu diesem Thema — dein Agent bewertet ihn ehrlich wie die echte Prüfung und übt mit dir, bis du bestehst.
Ich erkläre dir, wie die Bewertung wirklich funktioniert. Nicht als Liste zum Auswendiglernen, sondern so, wie zwei Prüfende deinen Text tatsächlich durchgehen.
Zwei Aufgaben, sehr ungleich verteilt
Das Modul dauert 75 Minuten und besteht aus zwei Teilen.
Teil 1 ist ein Diskussionsbeitrag für ein Internetforum. Du hast dafür etwa 50 Minuten, das Ziel liegt bei ungefähr 230 Wörtern. Dieser Teil bringt 60 von 100 Punkten.
Teil 2 ist eine formelle Nachricht, zum Beispiel eine Beschwerde oder eine Anfrage. Dafür bleiben etwa 25 Minuten und rund 120 Wörter. Dieser Teil bringt die restlichen 40 Punkte.
Viele Lernende teilen ihre Zeit gleichmäßig auf. Das ist ein teurer Fehler. Teil 1 ist anderthalbmal so viel wert wie Teil 2.
Die vier Kriterien, in normalen Worten
Beide Teile werden mit denselben vier Kriterien bewertet, nur mit unterschiedlichen Höchstpunktzahlen.
Aufgabenerfüllung (14 Punkte in Teil 1, 10 in Teil 2). In jeder Aufgabe stehen vier Sprachfunktionen. Das sind die vier Dinge, die du tun sollst: etwas erklären, für eine Position argumentieren, Gegenargumente nennen, einen Vorschlag machen. Alle vier müssen vorkommen, und zwar inhaltlich und vom Umfang her angemessen. Dazu kommt das Register: Passt dein Ton zur Situation und zum Leser?
Kohärenz (14 / 10). Hat dein Text einen erkennbaren Aufbau mit Einleitung und Schluss? Und sind die Sätze sinnvoll miteinander verbunden?
Wortschatz (16 / 10). Hier zählen zwei Dinge getrennt: wie breit dein Wortschatz ist, und wie sicher du ihn triffst. Ein paar Fehlgriffe sind erlaubt, solange sie den Lesefluss nicht stören.
Strukturen (16 / 10). Grammatik, Satzbau und Rechtschreibung zusammen. Auch hier: Spektrum und Beherrschung getrennt.
Dir fällt vielleicht auf, dass Wortschatz und Strukturen in Teil 1 mit je 16 Punkten am höchsten stehen. In Teil 2 sind alle vier gleich. Das ist kein Zufall: Im Forumsbeitrag hast du mehr Platz, sprachliches Können zu zeigen.
Die Stufe, die alles auf null zieht
Jedes Kriterium hat auf dem Bewertungsbogen fünf Felder, von A bis E. A ist das beste, E bedeutet immer null Punkte für dieses Kriterium.
Bei drei Kriterien verlierst du damit nur diesen einen Block. Bei der Aufgabenerfüllung ist es anders. Dort gilt E in zwei Fällen: wenn dein Text weniger als die Hälfte der geforderten Wörter hat, oder wenn du das Thema verfehlst. Und dann steht die gesamte Aufgabe auf null Punkten.
In Zahlen heißt das: In Teil 1 brauchst du mindestens 115 Wörter, in Teil 2 mindestens 60. Darunter ist der Text für die Bewertung nicht mehr da, egal wie gut die Sätze sind.
Themenverfehlung ist der zweite Weg dorthin, und der ist gefährlicher, weil er sich nicht zählen lässt. Du schreibst über das allgemeine Thema, aber nicht über die Frage, die gestellt wurde. Das passiert häufiger, als man denkt, besonders unter Zeitdruck.
Was ich beim Korrigieren anders gesehen habe als die Maschine
Ich habe im Sommer 2026 einen Stapel Texte mit der Hand korrigiert und meine Noten mit denen unseres Prüfungs-Agenten verglichen. Zwei der Texte waren Goethe C1. Beide Male lag ich anders als das Programm, und beide Male aus demselben Grund.
Beim ersten Text war die Bewertung im Bereich „Befriedigend" gelandet und nannte den Text gut verständlich. Ich habe die Grammatik deutlich heruntergesetzt. Die Fehler waren nicht einfach da, sie haben beim Lesen gestört. Genau das ist der Unterschied, den die Stufen beschreiben: Es geht nicht um die Anzahl der Fehler, sondern darum, ob sie den Lesefluss beeinträchtigen.
Beim zweiten Text stand im Ergebnis, der Text argumentiere zusammenhängend. Meine Notiz dazu war kurz und unmissverständlich: Die eigentliche Argumentation fehlt. Der Text hatte Sätze über das Thema, aber keine Abwägung. Außerdem waren Rechtschreibfehler unter „Wortschatz" einsortiert worden. Rechtschreibung gehört zu den Strukturen, nicht zum Wortschatz. Wenn ein Programm Fehler in die falsche Spalte legt, sieht die Note plausibel aus und ist trotzdem falsch begründet.
Der häufigste Irrtum: Grammatik entscheidet alles
Fast alle meine Kursteilnehmer glauben das. Es stimmt so nicht.
Wegen Grammatik kann man sehr wohl durchfallen. Aber Grammatik ist immer nur ein Aspekt von mehreren, die gleich gewichtet werden. Wer perfekte Sätze schreibt und die Aufgabe nur halb bearbeitet, kommt nicht durch. Wer inhaltlich alles trifft und ein paar Endungen verpasst, meistens schon.
Dazu noch eine Regel, nach der ich selbst korrigiere: Ein Abzug braucht eine belegbare Stelle im Text. Wenn ich keine finde, ist die höhere Stufe die richtige. Das gilt auch für dich beim Üben. Wenn dir jemand sagt, dein Text sei „zu einfach", frag nach der Stelle. Gibt es keine, ist die Kritik keine.
Zwei Prüfende, ein Mittelwert
Deinen Text bewerten zwei Personen unabhängig voneinander. Aus beiden Ergebnissen wird das arithmetische Mittel gebildet. Zwischenwerte sind dabei nicht erlaubt, nur die Punktzahlen, die auf dem Bogen stehen.
Für dich heißt das: Ein einzelner strenger Prüfer kippt dein Ergebnis nicht allein. Es heißt aber auch, dass ein Text, der bei beiden dieselbe Schwäche auslöst, diese Schwäche wirklich hat.
Was du jetzt tun kannst
Nimm deine letzte Übungsaufgabe und zähle zuerst nach: Sind alle vier Sprachfunktionen da, und ist jede davon mehr als ein Satz? Danach zähl die Wörter. Erst dann schau auf die Grammatik.
Wenn du wissen willst, wo dein Text gerade steht, kannst du ihn unserem Prüfungs-Agenten geben. Er bewertet an den offiziellen Kriterien und sagt dir, welches der vier Felder dich Punkte kostet. Eine Grenze dabei ist wichtig: Das ist eine Einschätzung zum Üben, keine offizielle Note. Die gibt es nur am Prüfungstag, von zwei Menschen.
Mehr zum Aufbau der Prüfung findest du auf unserer Seite zu Goethe C1.
Geschrieben von Margarita Votteler, erfahrene C1-Prüferin seit 2009. Die Kriterien und Punktwerte in diesem Text stammen aus dem Modellsatz C1 modular des Goethe-Instituts (Prüferblätter „Bewertungskriterien Schreiben" und Bewertungsbogen), Stand August 2026.
GermanExam.pro ist ein unabhängiges Lernwerkzeug und steht in keiner Verbindung zum Goethe-Institut.
