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TestDaF Schreiben Bewertungskriterien: So wird dein Text wirklich bewertet

April 11, 2026
|6 min

Created with AI, editorially reviewed by a C1 examiner.

TestDaF Schreiben Bewertungskriterien: So wird dein Text wirklich bewertet

Von Margarita Votteler, erfahrene C1-Prüferin seit 2009

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Fast jeder, der mir einen TestDaF-Text schickt, stellt dieselbe Frage: „Wie viele Fehler darf ich machen?" Die Frage geht am Kern vorbei. Das TestDaF-Institut zählt keine Fehler. Es bewertet den Text als Ganzes und fragt zuerst, ob er die Aufgabe erfüllt und ob man ihn ohne Anstrengung versteht. Wer das weiß, korrigiert an den richtigen Stellen.

Zwei Formate, zwei Kriterienlisten

Vorweg eine Falle: Der TestDaF existiert in zwei Formaten, und sie werden nach verschiedenen Listen bewertet. Beim digitalen TestDaF nennt das Institut sechs Aspekte, beim papierbasierten drei Kriterien. Viele Ratgeber im Netz erklären nur die Papierversion. Prüfe deshalb zuerst auf testdaf.de, welches Format an deinem Testzentrum läuft.

In beiden Formaten lesen geschulte Beurteilende deinen Text nach festen Vorgaben, mit einer Zweitkorrektur. Das Ergebnis ist eine Niveaustufe: TDN 3, TDN 4 oder TDN 5. Darunter steht „unter TDN 3", und diese Stufe erscheint nicht im Zertifikat.

Digitaler TestDaF: die sechs Aspekte

Im digitalen TestDaF schreibst du zwei Texte mit je 30 Minuten. Aufgabe 1 ist ein argumentativer Beitrag für eine Lernplattform, mindestens 200 Wörter. Aufgabe 2 ist eine Zusammenfassung von Informationen aus einem Lesetext und einer Grafik zu einer konkreten Frage, etwa 100 bis 150 Wörter, ohne eigene Meinung.

Das TestDaF-Institut veröffentlicht für die Auswertung sechs Fragen an deinen Text:

  1. Themenbezug. Bezieht sich der Text auf das Thema der Aufgabe?
  2. Aufgabenerfüllung. Werden alle Punkte der Aufgabenstellung ausreichend berücksichtigt?
  3. Schreibhandlungen. Setzt du um, was verlangt ist: argumentieren in Aufgabe 1, zusammenfassen in Aufgabe 2?
  4. Quellenverarbeitung. Sind die Informationen aus Text und Grafik korrekt und mit eigenen Worten wiedergegeben?
  5. Sprachlicher Ausdruck. Drückst du dich angemessen und präzise aus? Variierst du Strukturen und Wortschatz? Passen die Redemittel?
  6. Verständlichkeit. Ist der Text trotz einiger Fehler noch verständlich?

Beachte die Reihenfolge. Vier der sechs Fragen betreffen den Inhalt und die Textsorte. Erst an fünfter Stelle kommt die Sprache, und die sechste Frage erlaubt Fehler ausdrücklich. Ein Text mit sauberer Grammatik ist damit nicht automatisch sicher. Wer in Aufgabe 2 die eigene Meinung einbaut oder Sätze aus dem Lesetext abschreibt, berührt gleich drei der sechs Aspekte.

Wichtig für deine Vorbereitung: Es gibt keine Note je Aspekt. Die Beurteilenden bewerten den Text als Ganzes und übersetzen das Urteil in 0 bis 20 Punkte je Prüfungsteil. Wer dir eine Tabelle mit Punkten pro Kriterium zeigt, zeigt dir eine Lernhilfe, nicht das Prüfungsverfahren.

So werden Punkte zu TDN-Stufen

PunkteStufe
16 bis 20TDN 5
10 bis 15TDN 4
5 bis 9TDN 3
0 bis 4unter TDN 3

TDN 4 ist die Stufe, die die meisten Hochschulen in allen vier Teilen verlangen. Die vier Teile werden getrennt bewertet und gleichen sich nicht aus.

Papierbasierter TestDaF: die drei Kriterien

Im papierbasierten TestDaF, dem Auslaufmodell, schreibst du in 60 Minuten einen einzigen Text: Grafik beschreiben, Stellung nehmen, auf die Situation im Heimatland eingehen. Das Institut empfiehlt rund 300 Wörter, eine Mindestwortzahl gibt es nicht. Bewertet wird nach drei Kriterien, die in den Hinweisen zum Modelltest stehen:

Gesamteindruck. Wie wirkt der Text beim Lesen? Muss man Stellen zweimal lesen? Gibt es Gedankensprünge? Gibt es eine Einleitung, Überleitungen zwischen Grafik und Argumentation und einen Schluss?

Behandlung der Aufgabe. Ist der Text sachlich, oder stehen dort nur persönliche Ansichten? Wurde die Situation im Heimatland verständlich beschrieben und in die Argumentation eingebaut?

Sprachliche Realisierung. Sind die Sätze verbunden? Werden Konjunktionen variiert oder steht überall „und"? Gibt es Nebensätze und wechselnde Konstruktionen? Wie breit und genau ist der Wortschatz?

Auch hier steht die Sprache am Ende der Liste. Und auch hier fragt das erste Kriterium nach dem Leser, nicht nach der Fehlerzahl.

Was TDN 3 von TDN 4 trennt

Die Niveaubeschreibungen des TestDaF-Instituts fassen es in wenige Wörter. TDN 4: Du äußerst dich weitgehend zusammenhängend und strukturiert, sprachliche Mängel beeinträchtigen das Textverständnis nicht. TDN 3: Du äußerst dich im wissenschaftlichen Kontext vereinfacht, und Mängel können das Verständnis beeinträchtigen. TDN 5 verlangt zusätzlich, dass du dich sprachlich differenziert ausdrückst.

Aus meiner Korrekturerfahrung entscheidet sich TDN 4 an drei Fragen. Hat der Text einen roten Faden, den ich beim ersten Lesen erkenne? Ist jeder Punkt der Aufgabe da? Stört mich beim Lesen etwas so stark, dass ich den Satz zweimal lesen muss? Wenn die Antwort dreimal „ja, ja, nein" lautet, liegt der Text bei TDN 4, auch mit zwanzig kleinen Fehlern.

Ein Beispiel aus Aufgabe 1, Thema Jobwechsel. So klingt TDN 3:

„Oft die Arbeitsstelle wechseln ist gut. Man lernt neue Sachen. Aber die Firma hat Probleme, weil die Leute gehen. Ich denke, das ist nicht gut für die Firma."

Die Position ist da, die Sprache ist verständlich. Aber es gibt keine Begründung und keine Verbindung zwischen den Sätzen. So klingt TDN 4:

„Wer häufig die Stelle wechselt, erweitert seine Erfahrung und verbessert oft sein Gehalt. Für die Unternehmen bedeutet jeder Wechsel dagegen Kosten, weil sie neue Mitarbeitende einarbeiten müssen. Deshalb halte ich Wechsel für sinnvoll, solange sie nicht jedes Jahr stattfinden."

Zwei Perspektiven, ein Grund pro Perspektive, eine begründete Position. Das ist keine seltene Sprache. Es ist Struktur.

Woran die meisten Punkte fallen

Nach den Auswertungen des TestDaF-Instituts entfallen die meisten Punktabzüge auf den Textaufbau. Danach folgen Wortschatz und Grammatik. Die Aufgabenerfüllung steht am Ende der Liste. Das deckt sich mit den Kriterien oben: Ein Text ohne Übergänge und ohne Absatzlogik verliert zuerst beim Gesamteindruck oder bei der Verständlichkeit.

In Aufgabe 2 des digitalen TestDaF sehe ich zwei Fehler besonders oft. Erstens: Der Text übernimmt Sätze aus dem Lesetext. Das ist ausdrücklich nicht erlaubt und trifft die Quellenverarbeitung. Zweitens: Der Text bewertet. „Das ist eine schlimme Entwicklung" hat in einer Zusammenfassung nichts verloren, die Aufgabe verlangt eine sachliche Wiedergabe.

Wie du deine Texte selbst prüfst

Lies jeden Übungstext einmal als Beurteilende, nicht als Autor. Gehe die Liste deines Formats Punkt für Punkt durch und beantworte jede Frage mit ja oder nein. Für den digitalen TestDaF sind es die sechs Fragen oben, für den papierbasierten die drei Kriterien. Ein „nein" bei Themenbezug oder Aufgabenerfüllung wiegt schwerer als drei Kasusfehler.

Wenn du danach wissen willst, wo dein Text auf der Skala steht, schick ihn ein. Du bekommst eine Einschätzung an den TDN-Stufen, mit den Stellen, die den Leser stören, und den Punkten der Aufgabe, die fehlen. Eine verbindliche Note ist das nicht, die vergibt nur das TestDaF-Institut. Aber du siehst, ob du an der Struktur oder an der Sprache arbeiten musst. Übungstext prüfen lassen →

Was die Schwelle zu TDN 4 konkret verlangt, steht in TDN 4 erreichen. Einen Zeitplan für beide Formate findest du in den TestDaF-Schreibstrategien.

Häufige Fragen

Zählt das TestDaF-Institut die Fehler?

Nein. Die Beurteilenden bewerten den Text als Ganzes. Fehler wiegen schwer, wenn sie das Verständnis beeinträchtigen, und leicht, wenn der Text trotzdem klar bleibt.

Gibt es Punkte für jedes Kriterium?

Nein. Im digitalen TestDaF ergibt das Gesamturteil 0 bis 20 Punkte je Prüfungsteil. Eine Aufschlüsselung je Aspekt veröffentlicht das Institut nicht.

Wie viele Wörter muss ich schreiben?

Digital: mindestens 200 Wörter in Aufgabe 1 und etwa 100 bis 150 in Aufgabe 2. Papierbasiert: rund 300 Wörter als Empfehlung, ohne feste Untergrenze.

Brauche ich im digitalen TestDaF den Heimatlandbezug?

Nein. Der Heimatlandbezug gehört nur zur papierbasierten Aufgabe.

GermanExam.pro ist ein unabhängiges Lernwerkzeug. Wir haben keine Verbindung zum TestDaF-Institut / g.a.s.t. Die genannten Kriterien, Punktgrenzen und Niveaubeschreibungen stammen aus den öffentlich verfügbaren Veröffentlichungen des TestDaF-Instituts.

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