Von Margarita Votteler, erfahrene C1-Prüferin seit 2009
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Immer wieder kam jemand mit dem Zeugnis zu mir und sagte: bestanden. Und dann reichte die Stufe für den Wunsch-Studiengang trotzdem nicht. Deshalb zuerst das Wichtigste: Bei den vier großen Deutschprüfungen gibt es nicht eine Zahl zum Bestehen. Es sind zwei, die zusammenpassen müssen. Die eine setzt die Prüfung. Die andere, oft höhere, setzt deine Hochschule.
Die zwei Zahlen, die zählen
Die erste Zahl ist die Bestehensgrenze der Prüfung selbst. Sie sagt: Ab hier hast du bestanden. Die zweite Zahl steht in der Zulassungsordnung deines Studiengangs. Sie sagt: So gut musst du sein, damit wir dich nehmen. Diese zweite Zahl entscheidet über deinen Studienplatz, und sie liegt oft über der reinen Bestehensgrenze.
Ein Beispiel aus dem Alltag: Du kannst den TestDaF „bestehen" und trotzdem für Medizin zu wenig Punkte haben, weil dein Fach eine höhere Stufe verlangt. Wer nur auf die erste Zahl schaut, erlebt an der Uni eine unangenehme Überraschung. Deshalb gehe ich hier beide durch.
TestDaF: Stufen statt fester Grenze
Der TestDaF kennt kein klassisches „bestanden" oder „durchgefallen". Du bekommst in jedem der vier Teile eine Niveaustufe: TDN 3, TDN 4 oder TDN 5. TDN 4 heißt grob die Hälfte der möglichen Punkte im Teil, TDN 5 deutlich mehr.
Die meisten Hochschulen verlangen TDN 4 in allen vier Teilen. Manche Fächer lassen einzelne Teile mit TDN 3 zu, andere wollen überall TDN 5. Wichtig ist: TDN 3 ist nicht „durchgefallen". Für die Regelzulassung reicht es aber meistens nicht. Wie die Stufen genau zustande kommen, steht hier: TDN-Stufen erklärt.
Ein Punkt, den viele unterschätzen: Die vier Teile (Lesen, Hören, Schreiben, Sprechen) werden einzeln bewertet, und die geforderte Stufe muss in jedem Teil stehen. Ein einziger schwacher Teil, oft ist es das Schreiben, kann die ganze Bewerbung scheitern lassen, auch wenn die anderen drei stark sind. Wer sich vorbereitet, sollte deshalb zuerst am schwächsten Teil arbeiten, nicht an dem, der ohnehin schon gut läuft.
Goethe C1 und telc C1: die 60-Prozent-Marke
Diese beiden Prüfungen funktionieren klarer. Bestanden bist du ab rund 60 Prozent der Punkte.
Beim Goethe-Zertifikat C1 sind das 60 von 100 Punkten. Die Note heißt dann „ausreichend". Darüber gibt es „befriedigend" (ab 70), „gut" (ab 80) und „sehr gut" (ab 90). Beim telc C1 Hochschule gilt ebenfalls die 60-Prozent-Marke. Allerdings musst du den schriftlichen und den mündlichen Teil jeweils für sich schaffen; der eine gleicht den anderen nicht aus. Details zur Aufteilung: telc C1: 60 Prozent je Teilbereich und Goethe C1 Bestehensgrenze.
Beide Zertifikate sind bundesweit einheitlich. Was du in Hamburg erreichst, gilt genauso in München. Für zulassungsbeschränkte Fächer solltest du aber wissen: Manchmal reicht die bloße Bestehensnote nicht, und eine bessere Note verschafft dir bei der Platzvergabe einen Vorsprung. Das entscheidet die jeweilige Hochschule.
DSH: drei Stufen mit steigendem Anspruch
Die DSH vergibt drei Ergebnisstufen. Sie richten sich nach dem Prozentsatz, den du erreichst:
- DSH-1 ab etwa 57 Prozent
- DSH-2 ab etwa 67 Prozent
- DSH-3 ab etwa 82 Prozent
Die meisten Studiengänge setzen DSH-2 voraus. Fachlich sehr anspruchsvolle Fächer verlangen manchmal DSH-3. DSH-1 reicht für die volle Zulassung in der Regel nicht. Ein Punkt, den viele übersehen: Die DSH wird von den einzelnen Hochschulen selbst durchgeführt. Die Prozentwerte sind der bundesweite Rahmen, aber die genaue Anforderung legt deine Uni fest. Mehr dazu: DSH-2 Bestehensgrenze.
Alle vier auf einen Blick
| Prüfung | Bestanden ab (Richtwert) | Was Hochschulen meist wollen |
|---|---|---|
| TestDaF | keine feste Grenze, Stufen TDN 3–5 | TDN 4 in allen vier Teilen |
| Goethe C1 | 60 von 100 Punkten | oft „gut" für zulassungsbeschränkte Fächer |
| telc C1 Hochschule | rund 60 Prozent, schriftlich und mündlich je einzeln | Bestehen reicht meist für die Zulassung |
| DSH | DSH-1 ab ca. 57 %, DSH-2 ab ca. 67 %, DSH-3 ab ca. 82 % | DSH-2 |
Die häufigste Verwechslung
In der Beratung sehe ich zwei Missverständnisse immer wieder. Das erste: Jemand hat TDN 3 und glaubt, damit sei alles erledigt. Ist es meistens nicht. Das zweite: Jemand hat DSH-1 und denkt, „1" sei die beste Stufe. Genau umgekehrt — DSH-3 ist die höchste. Wer das früh weiß, plant seine Vorbereitung anders und verliert kein halbes Jahr.
So findest du deine echte Grenze
Verlass dich nicht auf allgemeine Angaben, auch nicht auf diese hier. Öffne die Zulassungsordnung oder die Sprachnachweis-Seite deines konkreten Studiengangs. Dort steht die zweite Zahl, die wirklich zählt. Erst wenn du sie kennst, weißt du, worauf du hinarbeitest.
Und wenn du wissen willst, ob dein Schreiben gerade für deine Zielstufe reicht: Schick deinen Text ein. Du bekommst eine ehrliche Einschätzung an den öffentlich verfügbaren Bewertungskriterien. Kein amtliches Ergebnis, aber ein realistischer Stand, woran du noch arbeiten musst. Text einschicken →
GermanExam.pro ist ein unabhängiges Lernwerkzeug und steht in keiner Verbindung zu den Prüfungsinstitutionen (Goethe-Institut, telc, TestDaF-Institut, Universitäten). Die genannten Grenzen sind Richtwerte; maßgeblich ist immer die Anforderung deiner Hochschule.
