Schriftlicher Ausdruck · Mustertext mit Bewertung

TestDaF Schriftlicher Ausdruck: Beispiel mit Bewertung (TDN 4)

Ein kompletter Mustertext (rund 340 Wörter) — und seine Bewertung nach den sechs offiziellen TestDaF-Kriterien, Punkt für Punkt. So siehst du genau, an welcher Stelle ein TDN-4-Text die TDN 5 knapp verfehlt.

Kurze Antwort

Der Schriftliche Ausdruck im papierbasierten TestDaF verlangt einen zusammenhängenden Text von mindestens 250 Wörtern in 60 Minuten — mit vier Pflichtteilen: Grafikbeschreibung, Pro-/Contra-Argumentation, begründeter Stellungnahme und Heimatlandbezug. Bewertet wird nicht mit Punkten, sondern mit einer direkten Einstufung in eine TestDaF-Niveaustufe (TDN) — Unter TDN 3, TDN 3, TDN 4 oder TDN 5 — anhand von sechs Kriterien. Unten findest du einen vollständigen Mustertext und seine Bewertung Kriterium für Kriterium.

Die meisten Lernenden suchen ein Beispiel — und finden nur die Wortzahl und ein paar Redemittel. Was wirklich hilft, ist ein vollständiger Text, der vor deinen Augen nach genau den Kriterien bewertet wird, die auch im Prüfungszentrum gelten. Dann siehst du nicht nur, wie ein TDN-4-Text klingt, sondern an welcher Stelle ihm die Sprache zu TDN 5 fehlt.
— Margarita Votteler, Prüfungsvorbereitung C1

Die Aufgabe

Im papierbasierten Schriftlichen Ausdruck bearbeitest du eine Schreibaufgabe. Sie besteht aus einer kurzen Einleitung ins Thema, einer Grafik oder Statistik und einer Arbeitsanweisung, die alle vier Teile vorgibt. Für unseren Mustertext lautet die Aufgabe:

An deutschen Hochschulen studieren immer mehr Menschen aus dem Ausland. Die folgende Grafik zeigt den Anteil internationaler Studierender an deutschen Hochschulen von 2010 bis 2024:

Grafik: Anteil internationaler Studierender (in % aller Studierenden) — 2010: 11 % · 2017: 13 % · 2024: 19 %; deutlicher Anstieg ab 2018, kurzes Abflachen 2020/2021.

Beschreiben Sie zunächst die Grafik. Erörtern Sie anschließend, welche Vorteile und welche Nachteile die zunehmende Internationalisierung der Hochschulen mit sich bringt, und nehmen Sie begründet Stellung. Gehen Sie auch darauf ein, wie sich die Situation in Ihrem Heimatland darstellt. Schreiben Sie mindestens 250 Wörter.

Der Mustertext (rund 340 Wörter)

Die vorliegende Grafik mit dem Titel „Anteil internationaler Studierender an deutschen Hochschulen” zeigt die Entwicklung dieses Anteils im Zeitraum von 2010 bis 2024. Wie aus dem Diagramm hervorgeht, ist der Wert über den gesamten Zeitraum kontinuierlich gestiegen: Lag der Anteil im Jahr 2010 noch bei rund 11 Prozent, so erreichte er 2017 bereits etwa 13 Prozent und kletterte bis 2024 auf annähernd 19 Prozent. Besonders auffällig ist die Beschleunigung des Anstiegs nach 2018, während die Kurve in den Jahren 2020 und 2021 vorübergehend abflachte. Insgesamt hat sich der Anteil internationaler Studierender somit innerhalb von vierzehn Jahren nahezu verdoppelt.

Diese Entwicklung wirft die Frage auf, ob die zunehmende Internationalisierung der Hochschulen eher als Chance oder als Belastung zu bewerten ist. Für eine positive Beurteilung spricht zunächst, dass internationale Studierende die wissenschaftliche Landschaft bereichern. Sie bringen andere Perspektiven, Methoden und Sprachen mit und fördern auf diese Weise den interkulturellen Austausch, der gerade in einer globalisierten Wissenschaft unverzichtbar ist. Hinzu kommt, dass viele Absolventen nach ihrem Studium in Deutschland bleiben und so dem vielfach beklagten Fachkräftemangel entgegenwirken.

Gegen eine uneingeschränkt positive Sicht lässt sich allerdings einwenden, dass die rasch wachsenden Zahlen die Hochschulen auch vor erhebliche Herausforderungen stellen. Die Betreuungskapazitäten sind vielerorts begrenzt, und nicht selten fehlt es an ausreichenden Sprachförderangeboten. Wird die Integration vernachlässigt, so besteht die Gefahr, dass ein Teil der Studierenden das Studium abbricht, was weder den Betroffenen noch den Institutionen dient.

Wägt man beide Seiten gegeneinander ab, so überwiegen meines Erachtens die Vorteile, sofern die Hochschulen die nötigen Rahmenbedingungen schaffen. Ein bloßes Anwachsen der Zahlen ist für sich genommen weder gut noch schlecht; entscheidend ist vielmehr, dass die Internationalisierung von gezielten Förderprogrammen begleitet wird, etwa durch Sprachkurse, Mentoring und ausreichende Beratungsangebote.

In meinem Heimatland lässt sich eine ähnliche Tendenz beobachten, wenn auch auf niedrigerem Niveau. Die Regierung wirbt seit einigen Jahren aktiv um ausländische Studierende, doch mangelt es noch an englischsprachigen Studiengängen und bezahlbarem Wohnraum. Aus meiner Sicht könnte mein Heimatland in dieser Hinsicht durchaus vom deutschen Beispiel lernen — vorausgesetzt, man begreift Internationalisierung nicht als reine Zahl, sondern als Aufgabe, die Betreuung und Integration einschließt.

Die Bewertung: TDN 4

Anders als telc oder Goethe vergibt der TestDaF keine Punkte pro Kriterium. Geschulte Beurteilende stufen den ganzen Text direkt in eine Niveaustufe ein. Jeder Text wird dabei von zwei unabhängigen Beurteilenden bewertet. Die TestDaF-Niveaustufen:

  • TDN 5 = C1.1–C1.2 → differenziert, sprachlich präzise, kaum Fehler
  • TDN 4 = B2.2–C1.1 → zusammenhängend und strukturiert, Mängel stören das Verständnis nicht (Regelzulassung)
  • TDN 3 = B2.1–B2.2 → weitgehend verständlich, aber vereinfacht; Mängel können stören
  • Unter TDN 3 = unter B2 → reicht nicht für eine Einstufung
KriteriumWas bewertet wirdErfüllt auf
ThemenbezugBezieht sich der Text durchgängig auf das Thema der Aufgabe?TDN 5
AufgabenerfüllungWerden alle Punkte der Aufgabenstellung ausreichend berücksichtigt?TDN 5
SchreibhandlungenWerden die geforderten Schreibhandlungen (beschreiben, argumentieren, Stellung nehmen) erfolgreich umgesetzt?TDN 5
QuellenverarbeitungSind die Daten aus der Grafik korrekt und mit eigenen Worten wiedergegeben?TDN 4
Sprachlicher AusdruckPräziser, variierter Ausdruck; komplexe Strukturen; abwechslungsreicher Wortschatz; angemessene RedemittelTDN 4
VerständlichkeitIst der Text trotz einzelner Fehler durchgehend verständlich?TDN 5
GesamteinstufungPrüfungsteil Schriftlicher AusdruckTDN 4

Vier der sechs Kriterien sind auf TDN-5-Niveau erfüllt — der Inhalt ist vollständig und der Text durchgehend verständlich. Weil aber Quellenverarbeitung und sprachlicher Ausdruck knapp darunter liegen, ergibt die Gesamtschau TDN 4: ein sicheres, hochschultaugliches Ergebnis, dem zur Spitzennote vor allem sprachliche Variation fehlt.

Warum diese Bewertung — Kriterium für Kriterium

ThemenbezugTDN 5: Der Text bleibt von der Grafik bis zum Heimatlandbezug konsequent beim Thema „Internationalisierung der Hochschulen”. Kein Abschweifen, keine themenfremden Passagen — hier ist nichts auszusetzen.

AufgabenerfüllungTDN 5: Alle vier geforderten Teile sind vorhanden und in eigenen Absätzen umgesetzt: Grafikbeschreibung, Pro-/Contra-Argumentation, begründete Stellungnahme und Heimatlandbezug. Genau diese Vollständigkeit ist die Grundvoraussetzung, um überhaupt TDN 4 oder höher zu erreichen.

SchreibhandlungenTDN 5: Beschreiben, abwägen und Position beziehen werden sicher unterschieden und sprachlich passend markiert („Wie aus dem Diagramm hervorgeht”, „lässt sich allerdings einwenden”, „meines Erachtens”). Die Argumentation hat einen klaren roten Faden.

QuellenverarbeitungTDN 4: Die Werte (11 % → 13 % → 19 %) werden korrekt und sinnvoll zusammengefasst, inklusive der Trendwende nach 2018. Allerdings bleibt die Beschreibung eng an der Zahlenabfolge; eine knappere, stärker deutende Wiedergabe statt der Aufzählung einzelner Jahre wäre auf TDN-5-Niveau gelungener.

Sprachlicher AusdruckTDN 4: Souveräne Strukturen (Konjunktiv II „überwiegen meines Erachtens”, uneingeleitete Konditionalsätze „Wird die Integration vernachlässigt, so …”, Nominalisierungen). Den Sprung auf TDN 5 verhindern zwei Dinge: Schlüsselwörter wie „Studierende” und „Anteil” wiederholen sich auffällig, und es findet sich ein kleiner Ausrutscher („um ausländische Studierende werben” wäre idiomatischer als „um … Studierende werben um”).

VerständlichkeitTDN 5: Der Text liest sich flüssig und ist an keiner Stelle missverständlich. Die wenigen sprachlichen Mängel beeinträchtigen das Textverständnis zu keinem Zeitpunkt — genau das, was die TDN-4-Beschreibung verlangt.

Wo der Text Punkte holt — und wo TDN 5 knapp verfehlt wird

  • Hier stark — alle vier Teile sauber getrennt: Grafik, Pro, Contra, Stellungnahme und Heimatland stehen in eigenen Absätzen. Der Übergang von der Beschreibung zur Erörterung gelingt mit dem Scharnier „Diese Entwicklung wirft die Frage auf, ob …”. Genau diese Vollständigkeit hebt den Text über die TDN-3-Grenze, an der unvollständige Aufgaben hängen bleiben.
  • Hier stark — abwägende Schreibhandlung: „Wägt man beide Seiten gegeneinander ab, so überwiegen meines Erachtens die Vorteile, sofern die Hochschulen die nötigen Rahmenbedingungen schaffen." Eine begründete, differenzierte Position statt eines bloßen „Ich finde gut” — das ist der Ausdruck, den TDN 4 und TDN 5 verlangen.
  • Hier knapp — die Grafikbeschreibung zählt Jahre auf: „Lag der Anteil im Jahr 2010 noch bei rund 11 Prozent, so erreichte er 2017 bereits etwa 13 Prozent und kletterte bis 2024 auf annähernd 19 Prozent." Korrekt, aber nah an der Zahlenliste. Eine stärker deutende, verdichtete Wiedergabe wäre auf TDN-5-Niveau überzeugender.
  • Hier knapp — Wortschatz wiederholt sich: „Studierende” und „Anteil” kehren mehrfach wieder. Synonyme und Umschreibungen (Hochschulangehörige, Quote, Anstieg der Werte) hätten das Wortspektrum erweitert — die kleine Stellschraube zwischen TDN 4 und TDN 5 beim sprachlichen Ausdruck.

Die Regel, die ganze Texte kostet

Drei Dinge ziehen den Text hart nach unten, unabhängig von der Sprache: das Thema verfehlen (führt direkt unter TDN 3), einen Pflichtteil weglassen — also keine Grafik beschreiben, keine Stellungnahme oder keinen Heimatlandbezug liefern (begrenzt auf maximal TDN 3) — und einen Text schreiben, der durch Fehler schwer verständlich wird. Deshalb lohnt sich die Minute zu Beginn, in der du die vier Pflichtteile als Gerüst notierst, bevor du losschreibst.

Übe deinen eigenen Text — bewertet nach genau diesen Kriterien

Einen Mustertext zu lesen ist der erste Schritt. Der zweite ist, deinen eigenen Text gegen dieselben Kriterien zu halten: Du schreibst deine Grafikbeschreibung und Erörterung, und der KI-Tutor von GermanExam.pro bewertet sie nach den sechs TestDaF-Kriterien — mit TDN-Stufe und konkreten Verbesserungen.

Eigenen TestDaF-Text bewerten lassen

Häufige Fragen

Wie ist der Schriftliche Ausdruck im TestDaF aufgebaut?

In der papierbasierten Variante schreibst du in 60 Minuten einen zusammenhängenden Text von mindestens 250 Wörtern. Er besteht aus vier Teilen: einer Grafikbeschreibung (du gibst die Daten einer Statistik wieder), einer Argumentation mit Pro und Contra, einer begründeten eigenen Stellungnahme und einem Heimatlandbezug (wie sieht die Situation in deinem Land aus?). Im digitalen TestDaF gibt es stattdessen zwei kürzere Schreibaufgaben mit unterschiedlichen Aufgabentypen.

Wie viele Wörter braucht der TestDaF Schriftliche Ausdruck?

Mindestens 250 Wörter in der papierbasierten Prüfung. In der Praxis liegen starke Texte eher bei 300 bis 350 Wörtern, weil sich alle vier geforderten Teile — Grafik, Pro/Contra, Stellungnahme, Heimatland — kaum unter 250 Wörtern überzeugend unterbringen lassen. Ein Wörterbuch ist nicht erlaubt.

Wie wird der TestDaF Schriftliche Ausdruck bewertet?

Nicht mit Punkten pro Kriterium, sondern mit einer direkten TDN-Gesamteinstufung durch zwei unabhängige, geschulte Beurteilende des TestDaF-Instituts. Sie prüfen sechs Kriterien: Themenbezug, Aufgabenerfüllung, Schreibhandlungen, Quellenverarbeitung (Grafik), sprachlichen Ausdruck und Verständlichkeit. Daraus ergibt sich eine Stufe: Unter TDN 3, TDN 3, TDN 4 oder TDN 5.

Was braucht man für TDN 4 im Schreiben?

TDN 4 (etwa B2.2–C1.1) heißt: Du äußerst dich weitgehend zusammenhängend und strukturiert, und sprachliche Mängel beeinträchtigen das Textverständnis nicht. Konkret musst du alle vier Aufgabenteile bearbeiten, die Grafik korrekt wiedergeben, klar argumentieren und Stellung nehmen. Einzelne Grammatik- oder Wortschatzfehler sind erlaubt, solange der Text durchgehend verständlich bleibt. TDN 4 ist für die meisten Hochschulen die Regelzulassung.

Was unterscheidet TDN 4 von TDN 5 im Schreiben?

TDN 5 (C1.1–C1.2) verlangt einen differenzierten, sprachlich präzisen Ausdruck mit variiertem Wortschatz und souverän beherrschten komplexen Strukturen. Der Unterschied zu TDN 4 liegt selten am Inhalt — der ist bei beiden vollständig — sondern an der Sprache: Bei TDN 5 wiederholen sich Schlüsselwörter kaum, die Redemittel sind abwechslungsreicher, und Fehler sind die Ausnahme. Genau diese Lücke zeigt unser Mustertext.

Was sind die häufigsten Fehler, die die Stufe kosten?

Drei Fehler sind besonders teuer: das Thema verfehlen (führt zu Unter TDN 3), einen Aufgabenteil weglassen — etwa keine Grafikbeschreibung oder keinen Heimatlandbezug (begrenzt auf maximal TDN 3) — und einen so fehlerhaften Text schreiben, dass er schwer verständlich wird. Daten aus der Grafik falsch wiederzugeben oder die Pro-/Contra-Argumentation zu vergessen, zieht den Inhalt ebenfalls nach unten.

Weiterführende Seiten

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