Textproduktion · Mustertext mit Bewertung
DSH Textproduktion: Beispieltext mit Bewertung
Ein vollständiger Mustertext (244 Wörter) — und seine Bewertung nach den offiziellen DSH-Kriterien aus der HRK-Musterprüfungsordnung. So siehst du genau, warum dieser Text 73 % erreicht und damit auf DSH-2 landet.
Kurze Antwort
Die DSH-Textproduktion verlangt keinen freien Aufsatz, sondern eine vorgabenorientierte Erörterung mit Bezug auf eine Vorlage (Grafik, Tabelle oder Zitate): rund 250 Wörter in 70 Minuten. Bewertet wird nach zwei Bereichen — sachlich-inhaltliche Angemessenheit und sprachliche Aspekte, wobei die Sprache stärker zählt (verbreitet 40 % Inhalt / 60 % Sprache). Das Ergebnis ist ein Prozentwert, der eine DSH-Stufe ergibt. Unten findest du einen kompletten grafikgestützten Mustertext und seine Bewertung Bereich für Bereich.
Die meisten Lernenden suchen ein Beispiel — und finden nur die Wortzahl und ein paar Redemittel. Was wirklich hilft, ist ein vollständiger Text, der vor deinen Augen nach genau den Kriterien bewertet wird, die auch im Prüfungsamt gelten. Dann siehst du nicht nur, wie ein DSH-2-Text klingt, sondern warum er die nächste Stufe knapp verpasst.
Die Aufgabe
In der DSH-Textproduktion bekommst du eine Vorlage und eine Arbeitsanweisung. Du sollst die Vorlage auswerten, Argumente abwägen und begründet Stellung nehmen. Für unseren Mustertext lautet die Aufgabe:
Die folgende Grafik zeigt die Hauptgründe, aus denen internationale Studierende ihr Studium in Deutschland abbrechen.
Vorlage (Grafik): „Gründe für den Studienabbruch internationaler Studierender" — Statistisches Bundesamt, 2024. Sprachliche Schwierigkeiten: 41 %. Finanzielle Engpässe: 29 %. Unzureichende Betreuung: 18 %. Sonstige Gründe: 12 %.
Werten Sie die Grafik aus und erörtern Sie, ob Hochschulen verpflichtet werden sollten, verbindliche Sprachförderprogramme anzubieten. Nehmen Sie begründet Stellung. Schreiben Sie etwa 250 Wörter.
Der Mustertext (244 Wörter)
Die vorliegende Grafik des Statistischen Bundesamtes (2024) gibt Aufschluss darüber, aus welchen Gründen internationale Studierende ihr Studium in Deutschland abbrechen. Demnach nennen 41 Prozent sprachliche Schwierigkeiten, 29 Prozent finanzielle Engpässe und 18 Prozent eine unzureichende Betreuung als Hauptursache. Vor diesem Hintergrund soll im Folgenden erörtert werden, ob die Hochschulen verpflichtet werden sollten, verbindliche Sprachförderprogramme für diese Gruppe anzubieten.
Für eine solche Verpflichtung spricht zunächst, dass die sprachliche Hürde laut der Erhebung mit Abstand am häufigsten genannt wird. Wenn nahezu jeder zweite Abbruch auf mangelnde Sprachkenntnisse zurückzuführen ist, so liegt es nahe, gerade an diesem Punkt anzusetzen. Hinzu kommt, dass ein erfolgreicher Studienabschluss nicht allein im Interesse der Studierenden, sondern auch der aufnehmenden Gesellschaft liegt, die zunehmend auf qualifizierte Fachkräfte angewiesen ist. Eine gezielte Förderung wäre demnach nicht nur ein Akt der Fairness, sondern auch volkswirtschaftlich sinnvoll.
Dem ist allerdings entgegenzuhalten, dass verbindliche Programme erhebliche personelle und finanzielle Ressourcen binden, die vielen Hochschulen kaum zur Verfügung stehen. Überdies zeigt die Grafik, dass finanzielle und betreuungsbezogene Faktoren zusammengenommen fast die Hälfte der Nennungen ausmachen; eine einseitige Konzentration auf die Sprache griffe daher zu kurz und ließe zentrale Ursachen unberücksichtigt.
Wägt man beide Seiten gegeneinander ab, so überwiegen meines Erachtens die Argumente für eine verpflichtende, zugleich aber bedarfsgerechte Förderung. Sinnvoll erschiene, die Sprachkurse mit einer finanziellen und sozialen Begleitung zu verknüpfen, anstatt sie isoliert anzubieten. Auf diese Weise ließe sich die hohe Abbruchquote, wie sie die Statistik dokumentiert, am wirksamsten senken, ohne die Hochschulen organisatorisch zu überfordern.
Die Bewertung: 73 % → DSH-2
Bewertet wird nach den offiziellen MPO-Kriterien (§10 Pkt 3 b): einem inhaltlichen und einem sprachlichen Bereich. Die MPO schreibt ausdrücklich vor, dass die sprachlichen Aspekte stärker zu gewichten sind — hier als 40 % Inhalt / 60 % Sprache abgebildet, wie es viele Hochschulen handhaben. Der Prozentwert ergibt direkt die DSH-Stufe:
- DSH-3 = ab 82 % → besonders hohes Niveau (nicht überall vergeben)
- DSH-2 = ab 67 % → uneingeschränkte Zulassung (Standard)
- DSH-1 = ab 57 % → eingeschränkte, oft auflagengebundene Zulassung
- Nicht bestanden = unter 57 %
| Bereich | Was bewertet wird | Gewicht | Punkte |
|---|---|---|---|
| Inhalt — Sachlich-inhaltliche Angemessenheit | Vollständigkeit, Themenentwicklung, Textaufbau (Einleitung – Hauptteil – Schluss), Kohärenz; alle Vorlagen einbezogen | 40 % | 12 / 16 |
| Sprache — Sprachliche Aspekte | Korrektheit (Grammatik, Orthografie), Wortwahl und Register, Syntax, Kohäsion (Konnektoren, Verweismittel); lt. MPO stärker gewichtet | 60 % | 17 / 24 |
| Gesamt | DSH-Textproduktion | 73 % | 29 / 40 |
29 von 40 Punkten = 73 %. Das liegt im Bereich DSH-2 (67–81 %) — eine bestandene Prüfung mit uneingeschränkter Hochschulzulassung, aber kein Spitzenergebnis. Zur DSH-3 fehlen knapp neun Prozentpunkte.
Warum diese Bewertung — Bereich für Bereich
Inhalt — Sachlich-inhaltliche Angemessenheit — 12 / 16 Punkte: Die Aufgabe ist weitgehend erfüllt: Die Grafik wird in der Einleitung korrekt ausgewertet, beide Seiten werden abgewogen und eine eigene, begründete Position folgt im Schlussteil. Für die volle Punktzahl fehlt eine differenziertere Auseinandersetzung mit den 18 Prozent 'unzureichende Betreuung' — dieser Wert wird nur gestreift, nicht eigenständig diskutiert. Solide DSH-2-Bearbeitung mit einer kleinen inhaltlichen Lücke.
Sprache — Sprachliche Aspekte — 17 / 24 Punkte: Der Text zeigt angemessene Wissenschaftssprache: Konjunktiv II ('griffe', 'erschiene', 'ließe'), Passiv, Nominalstil und funktionierende Konnektoren. Die Syntax ist überwiegend komplex und korrekt. Punktabzug gibt es für eine gewisse Wortfeld-Enge (Förderung/fördern, Sprache/sprachlich kehren häufig wieder) und vereinzelte stilistische Glättungen, die ein DSH-3-Text vermiede. Da Sprache laut MPO stärker zählt, wiegen diese Schwächen für das Gesamtergebnis spürbar.
Wo der Text Punkte holt — und wo die DSH-3 knapp verfehlt wird
- Hier stark — sauberer Vorlagenbezug: Der erste Satz nennt die Quelle („Grafik des Statistischen Bundesamtes (2024)") und gibt die Kernzahlen wieder: „41 Prozent sprachliche Schwierigkeiten, 29 Prozent finanzielle Engpässe und 18 Prozent eine unzureichende Betreuung". Genau diese Auswertung verlangt die MPO — ohne sie wäre es ein freier Aufsatz und damit nicht bestehbar.
- Hier stark — Wissenschaftssprache und klare Abwägung: Wendungen wie „Dem ist allerdings entgegenzuhalten" und „Wägt man beide Seiten gegeneinander ab" strukturieren die Argumentation, und Konjunktiv-II-Formen wie „griffe daher zu kurz" und „erschiene" zeigen das erwartete akademische Register. Das trägt den Sprachwert auf solide DSH-2-Höhe.
- Hier knapp — Wortfeld zu eng: „Förderung/fördern" und „Sprache/sprachlich" kehren mehrfach wieder. Ein breiteres Vokabular (Unterstützung, Maßnahme, Angebot; Spracherwerb, Verständigung) hätte den Sprachwert Richtung DSH-3 gehoben — und weil die MPO die Sprache stärker gewichtet, kostet diese Enge spürbar.
- Hier knapp — ein Grafik-Wert bleibt liegen: Die 18 Prozent „unzureichende Betreuung" werden erwähnt, aber nicht eigenständig diskutiert. Wer alle relevanten Werte der Vorlage verarbeitet, sichert sich die volle Punktzahl bei der Vollständigkeit.
Der Fehler, der ganze Prüfungen kostet
Die häufigste schwere Schwäche in der DSH-Textproduktion ist nicht die Grammatik, sondern der fehlende Vorlagenbezug: Wer frei drauflosschreibt, ohne die Grafik oder die Zitate auszuwerten, verstößt gegen §10 der Musterprüfungsordnung — das kann unabhängig von der Sprachqualität zum Nichtbestehen führen. Deshalb gehört der erste Schritt immer der Vorlage: Hauptaussagen benennen, Zahlen interpretieren, erst dann argumentieren.
Übe deinen eigenen Text — bewertet nach genau diesen Kriterien
Einen Mustertext zu lesen ist der erste Schritt. Der zweite ist, deinen eigenen Text gegen dieselben Maßstäbe zu halten: Du schreibst deine grafikgestützte Erörterung, und der KI-Tutor von GermanExam.pro bewertet sie nach den DSH-Kriterien — mit Prozentwert, Stufe und konkreten Verbesserungen.
Eigenen DSH-Text bewerten lassenHäufige Fragen
Wie ist die DSH-Textproduktion aufgebaut?
Die DSH verlangt keine freie Erörterung, sondern eine vorgabenorientierte Textproduktion: Du bekommst eine oder mehrere Vorlagen (Diagramm, Tabelle, Grafik oder kurze Zitate) und sollst daraus einen argumentativen Sachtext entwickeln. Der Aufbau folgt dem klassischen Dreischritt: Einleitung mit Auswertung der Vorlage, Hauptteil mit Abwägung der Argumente und Schluss mit eigener begründeter Stellungnahme. Der Bezug auf die Vorlage ist Pflicht (§10 Pkt 3 a MPO) — ein Text ohne Vorlagenbezug gilt als freier Aufsatz und kann zum Nichtbestehen führen.
Wie viele Wörter muss die DSH-Textproduktion haben?
Die HRK-Musterprüfungsordnung nennt als Richtwert ca. 250 Wörter in 70 Minuten. Weil die DSH aber nicht standardisiert ist, schwanken die Vorgaben je nach Hochschule zwischen 200 und 300 Wörtern und 60 bis 90 Minuten. Eine Abweichung von etwa ±10 Prozent ist üblicherweise unproblematisch — unser Mustertext liegt mit 244 Wörtern genau im empfohlenen Bereich. Anders als beim TestDaF ist ein einsprachiges Deutsch-Deutsch-Wörterbuch während der gesamten schriftlichen Prüfung erlaubt.
Was bedeutet die Quellenangabe in der DSH-Textproduktion?
Die Quellenangabe zeigt, dass du dich tatsächlich auf die vorgegebene Vorlage beziehst und nicht frei assoziierst. In unserem Beispiel benennt der erste Satz die Quelle der Grafik (Statistisches Bundesamt, 2024) und gibt die zentralen Zahlen wieder. Diese korrekte Wiedergabe der Vorlage — Hauptaussagen nennen, Daten interpretieren — ist Teil des Kriteriums Vollständigkeit. Wer die Vorlage ignoriert oder falsch wiedergibt, verstößt gegen die MPO und riskiert massive Punktabzüge.
Wie wird die DSH-Textproduktion bewertet?
Nach zwei Bereichen: der sachlich-inhaltlichen Angemessenheit (Vollständigkeit, Themenentwicklung, Textaufbau, Kohärenz) und den sprachlichen Aspekten (Korrektheit, Wortwahl, Syntax, Kohäsion). Die MPO 2019 schreibt ausdrücklich vor, dass die Sprache stärker zu gewichten ist; viele Hochschulen setzen das als 40 Prozent Inhalt zu 60 Prozent Sprache um. Anders als beim TestDaF prüft die DSH grammatische Strukturen explizit — wissenschaftssprachliche Mittel wie Nominalisierung, Passiv und Konjunktiv I gehören zum erwarteten Repertoire.
Welche DSH-Stufe brauche ich für mein Studium?
Es gibt drei Bestehensstufen: DSH-1 ab 57 Prozent (eingeschränkte, oft auflagengebundene Zulassung), DSH-2 ab 67 Prozent (uneingeschränkte Zulassung — der Standard für die meisten Studiengänge) und DSH-3 ab 82 Prozent (besonders hohes Niveau, nicht von jeder Hochschule vergeben). Wichtig: Die geforderte Schwelle muss im schriftlichen UND im mündlichen Teil jeweils einzeln erreicht werden, nicht nur im Gesamtergebnis. Für die meisten Bachelor- und Masterprogramme ist DSH-2 das Ziel.
Warum bekommt dieser Mustertext nur 73 Prozent und nicht mehr?
73 Prozent entsprechen einer soliden DSH-2 — also genau dem Niveau, das die meisten Hochschulen für die uneingeschränkte Zulassung verlangen. Für eine DSH-3 (ab 82 Prozent) müsste vor allem die Sprache noch differenzierter sein: weniger Wortwiederholungen, ein breiteres akademisches Vokabular und durchweg fehlerfreie komplexe Strukturen. Inhaltlich fehlt die eigenständige Diskussion eines dritten Grafik-Werts. Das ist bewusst kein perfekter Text — er zeigt, wie eine realistische, bestehende Prüfungsleistung aussieht.
Weiterführende Seiten
- DSH Übersicht — Format, Aufbau und Vorbereitung aller Prüfungsteile
- DSH-1, DSH-2 und DSH-3 im Unterschied — welche Stufe welche Zulassung bedeutet
- Die DSH-2-Bestehensgrenze — wie viel Prozent du zum Bestehen wirklich brauchst
- Readiness Check — kostenloser 2,5-Minuten-Einstufungstest